| Zusammenfassung:
Am 12. Oktober 1492 um 2 Uhr morgens hatte der Ausguck
der Pinta, Juan Rodriguez Bermejo, Land entdeckt. Admiral Christoph
Columbus war mit seiner kleinen Flotte am -vermeintlichen - Ziel
angekommen. Dieser Tag der sogenannten Entdeckung war der Endpunkt einer
Reihe von Irrtümern. Der Genueser Wollwebersohn, nun spanischer Admiral
des Ozeans, wähnte sich in Indien, oder zumindest auf einer der Inseln,
dem asiatischen Kontinent vorgelagert.
Wir wissen heute, daß die kleine Inseln Guanahani, zu den Bahamas
gehörend, Bestandteil des amerikanischen Doppelkontinentes ist. Columbus
kann das Recht der Erstentdeckung nicht für sich geltend machen; schon
mindestens 30.000 Jahre vor ihm hatten Menschen, aus Asien kommend, die
riesigen amerikanischen Weiten durchquert und besiedelt. Eine lange Reihe
von Kulturen mit großartigen Errungenschaften waren entstanden. Der Griff
Europas nach der Neuen Welt, ausgelost und getragen von Machtgier, Suche
nach Gold und missionarischem Eifer, bedeutete das Ende sowohl der
Hochkulturen als auch einer Vielzahl von Stammeskulturen Amerikas, ein
Prozeß, der heute noch fortdauert.
Es mutet daher geradezu zynisch an, wenn der 500. Entdeckungstag weltweit
mit Pracht und Pomp gefeiert wird. Man wäre gut beraten, diesen 12.
Oktober in einen Gedenktag für die Opfer umzuwandeln. Opfer dieses
Aufeinanderprallens zweier Welten waren aber nicht nur die autochthone
Bevölkerung der Neuen Welt, sondern auch die Menschen der alten Welt, die
durch und wegen der aus Amerika importierten Syphilis ihr Leben ließen.
Als wichtiges Therapeutikum gegen diese Geisel der Menschheit wurde das
Huayacan, das Guajak-Holz, das Heilige Holz in hohem Maße verwendet;
heute wissen wir, daß es kein Antisyphilitikum ist. Seine Geschichte,
seine Eigenschaften und seine Bedeutung sind Zentralthemen der Ausstellung
und der vorliegenden Publikation. Als weiteren Schwerpunkt haben wir die
Sozialgeschichte mit dem Problem der Prostitution gewählt.
lnterdisziplinär - unser Anliegen - wurden die Themen miteinander
verbunden, Exkurse beigefügt. Das Ergebnis sollte umfassend, aber nicht
glattgeebnet sein; Ecken und Kanten sollten sichtbar bleiben. Wir wollten
informieren, anregen, erfreuen, belehren wenn möglich, aber auch aufregen
und ärgern wenn nötig.
Da es sich hier um eine Wanderausstellung handelt, nach Ort und
Gegebenheiten variabel gestaltbar, einige Objekte ortsgebunden sind, war
es notwendig, auf Beschreibungen einzelner Exponate und
Ausstellungssejmente zu verzichten. Der Katalog hat dadurch mehr den
Charakter einer vertiefenden Lektüre erhalten.
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