documenta historiae Nr. 5

Macht Sprache Leute?„
D. Menting 
Zur gesprochenen Sprache und zum Sprachgebrauch im spätmittelalterlichen Nürnberg 
286 S., 7 Abb

München 2003

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Zusammenfassung

Macht Sprache Leute? 
Untersuchungen zur gesprochenen Sprache und zum Sprachgebrauch im spätmittelalterlichen Nürnberg am Beispiel von ausgewählten Fastnachtspielen und Vergleichstexten Die vorliegende Dissertation wurde angeregt durch aktuelle Arbeiten, die sich am Beispiel neuerer Theaterstücke mit der Verbindung zwischen Theatersprache und natürlicher gesprochener Sprache befassen. Unter Berücksichtigung der Sprachgeschichte und der historischen Situation Nürnbergs werden am Beispiel von ausgewählten Texten von Hans Sachs und zwei weiteren wichtigen Nürnberger Fastnachtspielautoren der Sprachgebrauch und das Sprachverhalten in Nürnberg im Zeitraum zwischen 1450 und 1600 untersucht. Zum Vergleich wurden Privatbriefe u. a. von Albrecht Dürer und Einblattdrucke, die außergewöhnliche Himmelserscheinungen schildern, herangezogen. Sie zeigen für den Untersuchungszeitraum am deutlichsten den Umgang mit Sprache im privaten und öffentlichen Bereich. Im ersten Teil der Untersuchung werden die einzelnen sprachlichen Ebenen in für eine soziolinguistische Interpretation wichtigen Punkten analysiert und auf diese Weise die Nähe bzw. Distanz der Sprache der Fastnachtspiele zu der in der Realität - wahrscheinlich - gesprochenen Sprache aufgezeigt. Deutlich wird, daß die Sprache der Fastnachtspiele nicht uneingeschränkt der Sprache der „gewöhnlichen“ Nürnberger Bevölkerung gleichzusetzen ist, sondern eher die Sprache einer „gehobenen Mittelschicht“ widerspiegelt. Der Sprachgebrauch innerhalb der im Spätmittelalter streng hierarchisch gegliederten Nürnberger Bevölkerung steht im Mittelpunkt des zweiten Teils der Untersuchung. Dargestellt werden sowohl die Kommunikation zwischen den wichtigen sozialen Schichten - und den gesellschaftlichen „Außenseitern“ - als auch die zwischen den Geschlechtern. Erkennbar werden eine Sprachschichtung und eine sprachliche Kommunikation, die durchaus mit der sozialen Schichtung Nürnbergs in Verbindung zu bringen sind. Die Methodik dieser Untersuchung ist auch auf andere historische Epochen zu übertragen. Generell ist jedoch, wie sich gezeigt hat, der Vergleich mit einem geeigneten, jeweils neu zu erstellenden Textkorpus unerläßlich, wenn man aus der Sprache von Theatertexten einen Rückschluß auf die natürliche gesprochene Sprache einer bestimmten Sprechergemeinschaft ziehen möchte. Dies gilt umso mehr für eine Zeit, aus der keine Tondokumente überliefert sind oder mitgeschnitten werden können.

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